Ein persönlicher Einblick in unsere Arbeit am Jagglhof

Unter anderen Landwirten oft scherzhaft als die verschrien, die eigentlich „gar keine richtigen Bauern“ sind, von KonsumentInnen gerne verwundert gefragt, warum man denn Milch kaufe, wenn man doch Kühe hätte und von vielen für das köstliche Biofleisch geschätzt – das sind wir, die Mutterkuhhalter!

 

Auf unserem Biobauernhof, dem Jagglhof, wird bereits seit den 80er-Jahren Mutterkuhhaltung betrieben, was anfangs wahrscheinlich tatsächlich für Unverständnis gerade bei Milchbauern geführt hat. Unverständnis deshalb, weil die wertvolle Milch nicht gemolken und verkauft, sondern zur Gänze den Kälbern gelassen wird. In der Mutterkuhhaltung leben Kühe und Kälber nämlich gemeinsam im Herdenverbund, die Kälber können jederzeit bei ihren Müttern trinken und mit den Gleichaltrigen toben und spielen.

 

Mutterkuhhaltung + Bio-Jungrindfleisch = perfekte Kombination

Und womit verdient man dann das Geld, wenn nicht mit der Milch? Ja, genau, mit Fleisch. So wie wir erzeugen viele Mutterkuhhalter Bio-Jungrindfleisch, das ist Fleisch von ca. zehn Monate alten Tieren. Warum gerade zehn Monate? Die Tragezeit von Kühen beträgt ca. neun Monate und neun Tage. Ist, wie bei uns, ein Stier bei der Herde, wird eine Kuh normalerweise recht bald nach der Geburt eines Kalbes wieder trächtig. Damit die Kuh zwischen den Kälbern etwas Pause hat, in der sie keine Milch geben muss (Trockenstellzeit), macht es Sinn, die Jungrinder mit zehn Monaten abzusetzen. Das bedeutet, sie werden entweder geschlachtet, als Einsteller (d.h. sie werden in einem anderen Betrieb noch länger gehalten) weiterverkauft oder als Kalbinnen (d.h. sie werden später selbst Kälber bekommen) aufgezogen. Das Fleisch der Bio-Jungrinder ist besonders wertvoll, da es einerseits noch sehr zart und einfach zu kochen ist, andererseits aber bereits den typischen Rindfleischgeschmack aufweist.

 

Der Betriebskreislauf, eine runde Sache

Rund ums Jahr ziehen unsere Tiere mehrmals um: Vom Laufstall geht es im Frühjahr für die ganze Herde gemeinsam raus auf die Wiesen, im Frühsommer dann rauf auf die Alm, im Herbst wieder auf die Weide und schließlich zurück in den Stall. Während sich die Tiere in den Sommermonaten das frische Gras und die wertvollen Almkräuter in der Höhe schmecken lassen, ist für uns Heuarbeit angesagt, damit auch im Winter genug zu fressen da ist. Das war aber dann eigentlich schon alles, was es in punkto Fütterung zu wissen gibt: Die Kühe bekommen ausschließlich Gras, Heu und Grassilage vom eigenen Betrieb und etwas Salz und Mineralstoffmischung für eine optimale Nährstoffversorgung. Wir kaufen auch deshalb kein Kraftfutter zu, weil es uns wichtig ist, einen geschlossenen Betriebskreislauf zu haben. Kurz: Die Kühe fressen Gras und Heu der hofeigenen Felder und ihr Mist düngt diese wiederum für ein gutes Wachstum.

 

Ist die Kuh ein Klimakiller?

Wenn Kühe so gehalten werden, kann man kaum von „Klimakiller“ oder Nahrungsmittelkonkurrenten sprechen. Denn sie verwerten im Prinzip Gras, das wir selbst nicht essen können und oft auf Flächen wächst, wo sich kein Getreide oder Gemüse anbauen lässt, pflegen unsere Kultur- und Almenlandschaft und produzieren mit für sie passender Fütterung weitaus weniger Methan als dies bei sehr intensiver Fütterung der Fall ist. Natürlich macht, wie so oft, auch die Masse den Unterschied und so plädieren auch wir für bewussten Fleischgenuss.

 

Und was macht der Landwirt so?

Wenn also nicht gemolken wird, was ist dann eigentlich zu tun? Die Arbeit gestaltet sich über das Jahr hinweg sehr abwechslungsreich. Während im Winter klassische Stalltätigkeiten anfallen (füttern, ausmisten), sind im Frühling dann Zäune aufzustellen, die Felder zu düngen und die Kühe auszutreiben. Im Sommer werden die Tiere auf der Alm regelmäßig kontrolliert, was zu regelrechten Wandertouren ausarten kann, wenn nicht alle gleich gefunden werden und auch in strömendem Regen gemacht werden muss. Parallel dazu wird die Heuarbeit erledigt. Im Herbst ist dann Almabtrieb, die Zäune werden abgelegt, der Stall wird schön langsam wieder vorbereitet (gesäubert, gekalkt, repariert) und es wird wieder gedüngt. Rund ums Jahr kommen Kälber auf die Welt, die gerade in den ersten Tagen und Wochen manchmal viel Aufmerksamkeit benötigen. Und dazu kommen natürlich auch die Vermarktung und der Verkauf der Produkte. Wir sind also im Prinzip alles, vom Tierarzthelfer über Handwerker bis hin zu Marketingkräften. Allrounder mit großer Natur- und Tierliebe.

 

Ab-Hof-Verkauf in Mischpaketen

Wir verkaufen unser Bio-Jungrindfleisch in 5-kg- und 10-kg-Paketen ab Hof, genauso wie viele andere Mutterkuhhalter in der Region. In diesen gemischten Paketen findet sich alles vom Beiried über Schnitzel-, Suppen- und Bratenfleisch bis hin zum Faschierten. Klar, die Portionen sind andere als im Supermarkt und man braucht etwas Platz im Gefrierschrank. Aber gerade das ist es, was vielen Kunden gefällt: Das Fleisch selbst portionieren, angreifen und „kennenlernen“, überlegen, was man mit welchem Stück machen kann und neue Rezepte fernab von Steak und Schnitzel probieren. Und das Beste dabei: Man weiß genau, woher das Fleisch kommt, wie das Tier gelebt hat und was es zu sich genommen hat.

Das möchtest du selbst probieren? Vielleicht ist bei den folgenden Adresslisten ja ein passender Betrieb in deiner Nähe dabei.

Und wer Tipps und Tricks zum Verabreiten von Rindfleisch braucht: auch dazu gibt es passende Kurse, wie etwa der Rindfleischkochkurs des LFI.

 


  • Was ist eigentlich Mutterkuhhaltung?
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