Der Königinnenzüchter im Pinzgau

Das ganze Leben Peter Unterbergers dreht sich um den Honig und dessen fleißigen Produzenten. Bei ihm zuhause in Saalfelden hat der Imkermeister ein Bienenreich aufgebaut.

 

Schon die Großeltern und der Vater waren leidenschaftliche Imker. Unterberger ist, wie früher auch der Vater, Berufsimker. In dieser Sparte können heute nur mehr wenige wirtschaftlich überleben. Der Pinzgauer aber hat ein Nischenprodukt gefunden: die Züchtung von Königinnen. Diese werden von den Bienen nur mit hochwertigstem Eiweiß – dem Königinnenfuttersaft „Gelee Royal“ gefüttert. Rund 650 Königinnen zieht Unterberger jährlich auf, 80 Prozent davon werden begattet und befruchtet, der Rest ist Ausfall. 150 Exemplare braucht er für die eigene Bienenzucht. Den Rest verkauft er an private Imker vor allem im Pinzgau, aber auch in ganz Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien und Holland. Eine Königin lege in der Spitzenzeit im Mai 2.000 bis 3.000 Eier pro Tag, erklärt der 52-Jährige. Rund 160 Bienenvölker – mit je 10.000 bis 20.000 Bienen im Winter und bis zu 60.000 Bienen im Sommer – zählen zum Bestand der „Bienenfarm Unterberger“. Die liegt am Waldrand im Saalfeldener Ortsteil Gerling. Weil dort Obstbäume, Wiesen, Fichten und Tannen nicht über die ganze Bienensaison ausreichend Nahrung bieten, wandert der Imker mit seinen Bienenvölkern Juni und Juli hinauf bis auf 1.300 m Seehöhe in Viehhofen und Maria Alm. Dort holen sich seine pelzigen Tierchen dann den Nektar für den Gebirgshonig etwa bei Blaubeeren und Almrosen.

 

„Das Thema Bienen ist hochkomplex“ 

Alles Laute, Schnelle, Polternde, Hektische mögen die Bienen nicht. Deshalb nähert sich Unterberger diesen wichtigen Nutztieren jetzt mit großer Bedachtsamkeit. Er entfernt die Abdeckung eines Bienenstockes und hebt eine Wabe heraus. Auf der wimmelt es nur so von Bienen rund um die Königin. “Eine solche paart sich”, geht der Züchter jetzt ins Detail, “mit 20 bis 30 Drohnen, die dann sofort sterben. Das Sperma aber speichert sie, sodass sie während ihrer Lebenszeit von rund fünf Jahren etwa 200.000 Eier pro Jahr legen kann”. Die Bienen sind für die Aufzucht ihrer Brut zuständig, versorgen die Bienenkönigin und produzieren den Honig. „Das Thema Bienen ist ja hochkomplex“, weiß Unterberger. Ihn fasziniert besonders „ihre hohe Organisation, ihre interne Verständigung mittels Bienentanz, ihre ausgeprägte Arbeitsteilung“.

Die Tiere wollen rund ums Jahr versorgt werden

Gemeinsam mit Mutter Margarethe und Vater Peter hat er durch viele Monate im Jahr genug zu tun: Von Mai bis Juli wird der Honig geerntet, geschleudert, gerührt und abgefüllt. Ende Juli bis Oktober werden dann die Winterbienen gezüchtet. Durch das Füttern mit Blütenhonig und Zuckerwasser werden sie für die kalte Jahreszeit stark gemacht. Sie leben sechs Monate, währenddessen sie ab Mitte Februar die Sommerbienen aufziehen, die ab April für die Honigproduktion verantwortlich sind.

 

Blüten- und Gebirgshonig, Propolis, Kerzen und Honigwein

3.500 bis 4.000 Kilogramm Blüten- und Gebirgshonig werden pro Jahr verlauft, aber natürlich bleibt auch genug für den Eigenbedarf. Auch Propolis, Kerzen und Honigwein stellt Unterberger mit seinen Eltern her. Zu erwerben sind die Produkte in seinem Haus, im Bauernladen sowie im Naturkostladen in Saalfelden und in heimischen Bäckereien.

 

Unterberger ist auch gefragter Kursleiter für Einsteiger der Imkerei. Dabei gibt er nicht nur wichtige Tipps, sondern wird auch nicht müde, die Vorzüge des Honigs herauszustreichen: als wichtiges Heil- und Hausmittel und als Energiespender mit nicht weniger als rund 180 Inhaltsstoffen. Verkocht wird der Honig bei den Unterbergers übrigens nie. „Dafür wäre er zu schade. Aber natürlich kommt er täglich auf das Bauernbrot mit Butter und in die Salat-Marinade – zusammen mit Apfelessig, Rapsöl und Kürbiskernöl“, sagt der Bienenzüchter.

 

Fotos © Unterberger


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