Friedliche Stille umgibt den 34-jährigen Vollerwerbsbauer Alexander Aigner an diesem Morgen um 3.30 Uhr, während er sich im Mondschein mit Vater Eduard (53) auf den Weg zur Milchabfüllung macht. Immer montags und freitags beginnt für die beiden der Arbeitstag früh, weil dann ab sieben Uhr zwei vollbepackte Lieferwägen die umliegenden Privathaushalte, Gastronomiebetriebe und Altersheime in Mattsee und den Nachbargemeinden mit hofeigenen Produkten versorgen. Behutsam werden Milch, Molke und neun verschiedene Joghurtsorten in Mehrweggläser abgefüllt, Käsespezialitäten gewogen und Butterstücke verpackt. „Die Milchverarbeitung ist meine große Leidenschaft“, erzählt Alexander Aigner, der etwa ein Drittel der Milch seiner 70 Braunviehkühe direkt vermarktet und daraus unter anderem Hart- und Schnittkäse sowie Camenbert herstellt. Zwei Drittel der Milch liefert der Buchberghof an die Molkerei SalzburgMilch. Bestellblätter geben darüber hinaus auch Auskunft, wie viele Kartons Eier ihrer 90 Hühner in den Lieferbus gestapelt werden. Der Rest kommt in den Selbstbedienungs-Hofladen, der täglich von acht bis 19 Uhr geöffnet hat.
Damen unter sich
Um 5.30 Uhr kommt weibliche Verstärkung. Während sich Mutter Franziska (53) zum Abfüllposten gesellt, um ihre beliebten Topfenaufstriche wie Liptauer oder Krenaufstrich abzuschmecken sowie Kräuterkugeln in Öl einzulegen, geht der direkte Weg von Betriebsführerin Birgit zu ihren Kühen in den Stall. „Ich genieße die Ruhe und die Nähe zu unseren Tieren in der Früh besonders“, erzählt Birgit mit einem Strahlen. Die gelernte Pharmazeutisch-kaufmännische-Assistentin ist gemeinsam mit ihrem Mann seit 2021 Betriebsführerin und gilt als kreative Produktentwicklerin. „Schließlich habe ich das Rühren schon in der Apotheke geliebt – das kann ich bei unseren Joghurtkreationen wieder voll ausleben“, freut sich die vierfache Mama, die sich nun aber am Melkroboter beeilen muss. Um sieben ist es nämlich Zeit für das Frühstück mit den Kindern.


Liebe als geheime Zutat
Teils quietschvergnügt, teils verschlafen finden sich Alexander (11), Sebastian (8), Benedikt (6) und Nesthäkchen Sophie (4) am Küchentisch ein. Während es die wichtigsten Vorhaben des Tages zu besprechen gilt, werden Jausenbrote geschmiert und Schulrucksäcke sowie die Kindergartentasche gefüllt. Sind alle Kinder versorgt, geht es nun auch für Birgit in den Milchverarbeitungsraum zu ihren Mann Alexander. „Am Vormittag finden wir oft gemeinsame Zeit, wenn wir uns ums Joghurt kümmern. Da gibt es dann nur uns zwei“, lächelt Alexander fast ein bisschen verschmitzt über sein tägliches Date. Und seine Frau Birgit ergänzt: „Bei all der vielen Arbeit ist es schon schön, wenn man Freude damit hat. Ohne diese Begeisterung, die alle Generationen hier bei uns Hof spürbar leben, wäre es nicht möglich“, so die Jungbäuerin und deutet durch das Fenster hinaus, wo ihr Schwiegeropa Eduard sen. sich gerade auf den Weg macht, um den Zaun auf der Weide umzustecken. Auch seine Frau Melanie (78) hilft, wo sie nur kann – insbesondere bei der Kinderbetreuung.




Leben von und mit der Natur
Am Buchberg im Grenzgebiet zu Obertrum dürfen übrigens alle Kälber am Betrieb bleiben. Das weibliche Jungvieh dient als Nachzucht, männliche Tiere werden gemästet. Sie Besamung übernimmt Alexander Aigner selbst. 64,5 Hektar Grünland, wovon etwa 22 Hektar Eigenland und der Rest gepachtet ist, dient als Futterquelle für die 70 Milchkühe, die 50 Tiere in der Nachzucht und 45 Masttiere. Hier werden Getreide, Silomais und Feldfutter geerntet. Zudem bewirtschaftet Familie Aigner auch noch zwei Hektar Wald. Im Sinne der Nachhaltigkeit und als weiteres Standbein hat der Landwirtschaftsmeister Alexander 2010 einen gewerblichen Kompostierbetrieb gegründet. Dabei verarbeitet er Grün- und Strauchschnitt, die er gegebenenfalls auch bei Kunden abholt - in einem monatelangen Verfahren zu Komposterde und verkauft diese wiederum direkt ab Hof oder per Zustellung.
Alle haben ihren Lieblingsplatz
Am Nachmittag sind dann wieder alle Kinder daheim. Alexander jun. und Benedikt sind die Maschinisten – sie lieben alles rund um Technik, Sebastian kuschelt mit seinen Wachteln und die kleine Sophie liebt es, mit Hofhund – einem Appenzeller-Labrador-Mischling namens Balu – zu tollen. Kurz bevor es wieder in den Stall zum Melken geht, verwöhnt Mama Birgit ihre Liebsten noch mit einem selbstgemachten Frozen-Joghurt. „Unser Ziel ist es, dass alle Familienmitglieder gerne hier leben und wir besonders unseren Kindern den Wert von regionaler und naturnaher Landwirtschaft erlebbar machen“, so Birgit und Alexander Aigner abschließend.







