Sauerteigbrot

Wie wird eigentlich Sauerteigbrot gemacht?

Butterbrot, Jausenbrot, Abendbrot: Brot hat eine lange Tradition und ist noch immer eines unserer bedeutendsten Grundnahrungsmittel. Wir zeigen euch das Geheimnis des Sauerteigbrotes.

Die Auswahl ist dabei genauso groß wie die qualitativen Unterschiede: vom Butterkipferl bis zum KnĂ€ckebrot, vom Weizentoast bis zum Roggenvollkornbrot – fĂŒr jeden ist etwas dabei. 

Um Brot herzustellen braucht es grundsÀtzlich nicht viel: Mehl, Salz, Wasser und als Backtriebmittel entweder Hefe und/oder Sauerteig. Aus diesen Zutaten wird hierzulande schon seit Jahrhunderten, ja eigentlich schon seit Jahrtausenden Brot gebacken.

 

Wichtige Zutat: Zeit und Geduld

Eine wichtige Zutat ist heute allerdings rar geworden: Zeit. Gutes Brot herzustellen dauert. Und zwar – sofern es sich um traditionell hergestelltes Roggen-Sauerteigbrot handelt – gleich mehrere Tage lang: Zuerst wird der sogenannte Sauerteig gemacht. Dabei wird Mehl mit Wasser zu einem dicken Brei vermengt, sodann lĂ€sst man diese Mischung stehen und gibt den MilchsĂ€urebakterien, die sich innerhalb kĂŒrzester Zeit ganz von selber ansiedeln, Gelegenheit, sich zu vermehren. Diese MilchsĂ€urebakterien bewirken eine GĂ€rung in Folge derer verschiedene Stoffwechselprodukte entstehen, die den Teig locker, haltbar, schmackhaft und sehr gesund machen!

Erst mithilfe dieses Sauerteiges kann Roggenmehl zu Brot gebacken werden, bei Weizenmehl hingegen reicht Hefe als Backtriebmittel aus, um den Teig aufgehen zu lassen.

 

Wunderwerk Getreidekorn

Getreidekörner sind kleine Wunderwerke: Sie haben die FĂ€higkeit, einen ganzen Winter in der Erde zu ĂŒberdauern ohne zu schimmeln oder zu verfaulen, und im FrĂŒhjahr haben sie noch die Kraft, einen frischen Keim hervorzubringen, aus dem dann eine neue Pflanze entsteht. All diese FĂ€higkeiten, sich gegen Bakterien und Keime zu schĂŒtzen, finden wir auch im Sauerteig und deshalb ist er sehr gesund fĂŒr uns.

Ist der Sauerteig fertig – ĂŒblicherweise ist das nach 3 Tagen der Fall – so wird mit Mehl, Wasser und Salz der Brotteig bereitet. Der fertige Brotteig muss nun wieder rasten, bevor die Laibe geformt werden. Und die fertigen Laibe mĂŒssen – richtig geraten! – wieder rasten bevor es endlich ans Backen geht. Echtes Sauerteigbrot herzustellen ist also nichts fĂŒr eilige Köche!

NatĂŒrlich kann bei der Sauerteigbereitung auch einiges schief gehen. Siedeln sich beispielsweise die falschen Bakterien an, so kommt es unter UmstĂ€nden zu einer FehlgĂ€rung. Man erkennt das daran, dass der Teig nicht sĂŒĂŸlich-aromatisch angenehm riecht sondern eher faulig oder es entsteht gar Schimmel. Deswegen wird Sauerteig manchmal auch mit sogenannten Starterkulturen angesetzt, das heißt die richtigen MilchsĂ€urebakterien werden in das Mehl-Wasser-Gemisch eingemengt und vermehren sich dann weiter.

Hat man allerdings einmal seinen Sauerteig, so kann man sich beim Brotbacken immer eine kleine Menge zurĂŒckbehalten und dieses „Anstellgut“ durch die Zugabe von Mehl und Wasser bis zum nĂ€chsten Brotbacken „weiterfĂŒttern“. Auf diese Art und Weise können Sauerteigkulturen viele Jahre alt werden! So manche BĂ€ckerinnen und BĂ€cker hĂŒten und pflegen ihre Sauerteigkultur wie einen Schatz, denn die QualitĂ€t des Sauerteiges ist absolut maßgeblich fĂŒr die GĂŒte und den Geschmack des fertigen Brotes.

In MilchsĂ€urebakterien steckt unheimlich viel Kraft: Sauerteig kann man problemlos einfrieren. Stellt man ihn nach dem Auftauen an einen warmen Platz, so dauert es nicht lange und man kann durch aufsteigende BlĂ€schen erkennen, dass die Bakterien schon wieder fleißig am Arbeiten sind.
Auch getrocknet lĂ€sst sich Sauerteig gut aufbewahren. Dazu streicht man ihn einfach auf ein Backblech und stellt ihn an einen warmen, trockenen Ort. Danach bricht man den getrockneten Teig in kleine StĂŒcke und bewahrt ihn in einem verschließbaren GefĂ€ĂŸ auf, bis man ihn wieder braucht. Es ist erstaunlich zu beobachten, wie dieser Teig, wenn man ihn in warmem Wasser auflöst und stehen lĂ€sst, erneut zu Leben erwacht und zu arbeiten beginnt!

Sauerteigbrot ist nicht gleich Sauerteigbrot

Da die traditionelle Herstellung sehr lange dauert und viel Geduld und Erfahrung verlangt, ist man in der industriellen Erzeugung mittlerweile dazu ĂŒbergegangen, sogenannten „Kunstsauer“ zu verwenden. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus SĂ€uren, Emulgatoren und anderen Backhilfsmitteln, mit deren Hilfe man innerhalb kĂŒrzester Zeit Roggenbrot backen kann. All die wertvollen Eigenschaften, die Natursauerteig, gewonnen mit Hilfe von MilchsĂ€urebakterien, fĂŒr unseren Körper hat, gehen dabei aber leider verloren, da dieser Kunstsauer „tot“ ist, also keine lebenden Bakterienkulturen enthĂ€lt.

Achtet beim Brotkauf auf die Zutaten und auf die konkrete Bezeichnung. Laut Österreichischem Lebensmittelbuch, darf die Bezeichnung „Sauerteig“ dann verwendet werden, wenn ĂŒberwiegend durch Sauerteig gesĂ€uert wurde, als zusĂ€tzliche SĂ€uerungsmittel sind allerdings MilchsĂ€ure und EssigsĂ€ure erlaubt.

Besondere Delikatesse Natursauerteigbrot

„Natursauerteigbrot“ darf sich ein Brot hingegen nur dann nennen, wenn ausschließlich Natursauerteig und keine weiteren SĂ€uerungsmittel verwendet wurden. Das Besondere am Natursauerteig ist, dass er aus Anstellgut entstanden ist, also keine kĂŒnstlichen Bakterienkulturen zur Erzeugung eingesetzt wurden.

 

 

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