Zu Besuch bei Heidi und Willi Kremser auf der Zauneralm im Lungau

Auf der Zauneralm im Lungau vergeht die Zeit ein bisschen langsamer als anderso. Hier machen Heidi und Willi Kremser im Kupferkessel über offenem Feuer ihren köstlichen Almkäse. Aber auch aus Kräutern gibt es hier so manche Schätze.

 

Schneereste decken Mitte Juni noch die Gräben der Almwiesen im Naturpark Riedingtal zu. Gleichzeitig strahlen duftende Kräuter mit dem saftigen Grün um die Wette. Wir wandern entlang des Weges in das Landschaftsschutzgebiet „Hinteres Zederhaustal“ und genießen die frische Bergluft, sehen weidende Kühe und Pferde.
Bei der Zauneralm, auf rund 1700 Metern Seehöhe angelangt, werkt Biobäuerin und Kräuterexpertin Heidi Kremser in ihrem Kräutergarten. Als Heidi uns sieht, heißt sie uns mit einem herzlichen „Grias di“ willkommen. Nach einer kurzen Plauderei, gehen wir in den Vorraum ihrer urigen Almhütte.

 

Gut Ding braucht Weile

Hier befindet sich ein gemauerter Herd mit einem offenen Kamin. Brennende Holzscheite verströmen behagliche Wärme. Darüber hängt auf einem Haken der Kupferkessel für die Käseerzeugung. Heidi zeigt in den blitzblank geputzten Kessel und betont: „Das wichtigste ist die Sauberkeit. Denn wenn sich im Topfen dunkle Flecken bilden, war der Kessel nicht sauber und trocken genug.“ Dann leert sie gemeinsam mit ihren Mann Willi die vorbereitete saure Milch in den Kessel. Gut 90 Liter fasst dieser rund 100 Jahre alte Behälter.

Drei Tage vorher hat Heidi in einer Zentrifuge den Rahm von der Milch trennt. Aus diesem Rahm rührt sie in einem Butterfass frische Butter. Die verbleibende Milch, die so genannte Magermilch, lässt sie mithilfe von Milchsäure-Bakterien sauer werden. Je nach Temperatur ist diese nach zwei drei Tagen sauer genug, um weiterverarbeitet werden zu können.

Während Heidi erklärt, schöpft sie die heiße Masse immer wieder vom Rand in die Mitte des Kessels. Langsam bilden sich weiße, weiche Klumpen. Diese trennen sich von einer wässrigen Flüssigkeit ab. „Das ist Molke“, erklärt Heidi. „Wenn unsere Hüttengäste nach ihren Wanderungen müde Füße haben, nehmen sie gerne ein Fußbad mit Molke. Das entgiftet, entspannt und pflegt die Haut.“ Zudem stillen die Zaunerbauern und Gäste, die in die urige Almhütte einkehren, mit erfrischender Molke gerne ihren Durst.

 

Topfenstrudel, Topfenknödel, Kräutertopfen und eben Almkäse

Nach einiger Zeit trennt sich der Topfen von der Molke. Einen Teil des Topfens verarbeitet Heidi zu Topfenstrudel, Topfenknödel oder Kräutertopfen. Den Rest füllt sie in Behälter und lässt ihn zu Almkäse reifen. Wieder hängt die Dauer des Reifeprozesses von der Temperatur ab. Nach ein paar Tagen ist der gelblich gefärbte Almkäse reif genug, um weiterverarbeitet oder gegessen zu werden. Heidi würzt ihn nur noch mit Salz und Pfeffer. Aus diesem Käse bereitet sie herzhafte Käsknödel zu. Auf frischem Bauernbrot und einem Glas Buttermilch schmecken Topfen oder Almkäse besonders gut. Die Hüttenwirte laden uns auf die selbstgemachte Rindsuppe mit Käsknödel, Topfenstrudel und ein Glas Saft aus Almkräutern ein. Es schmeckt köstlich.

 

Heidis Kräuterecke

Zum Abschluss unseres Besuches machen wir einen Rundgang durch die gemütliche Almhütte. Der Kuhstall ist um diese Zeit leer. Die Kühe grasen tagsüber auf der Weide. In der Stube entdecke ich die Kräuterecke. Die Tees, Sirupe, Tinkturen und Almkräutercremen mit den wertvollen Wirkstoffen aus den Alpenkräutern werden von Heidi selbst hergestellt und haben schon so Manchen von seinen Plagegeistern befreit. Denn in den Bergen, so heißt es, ist für jedes Leiden ein Kräutlein gewachsen.

 

Einen Stock höher befinden sich drei Zimmer, samt Toilette und Dusche für Gäste. Auf der Zauneralm kann man gut die Seele baumeln lassen, entlang des Baches zu seinem Ursprung spazieren, die umliegenden Berge erklimmen oder mit Heidi über das Leben philosophieren. Wer nur ein kurzes Stück zur Zauneralm wandern möchte, erreicht sie in rund zehn Minuten Gehzeit von der Tälerbusstation Königalm.

 

Zauneralm
Familie Kremser
T +43 (0)650 3870063
zauneralm@aon.at
 


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