Ein Blick in die Kinderstube

Die Kälberhaltung ist immer wieder ein Thema – auch wegen der Tiertransporte. Doch wie sieht die Praxis bei einem Salzburger Milchviehbetrieb aus und wie geht es den Tieren? Bei unserem Besuch beim Mirtlbauer in Göming wirken die Kälber in ihren Boxen sehr zufrieden. Sie liegen auf dicken Strohmatratzen und lassen sich in ihrer Mittagsruhe durch den Besuch kaum stören.

Sommerfrische auf der Alm

Am Hof der Familie Stummvoll leben rund 50 Milchkühe. Für Salzburg gesehen ist der Betrieb damit ein „großer“. Für europäische Verhältnisse ist der Mirtlbauer hingegen ein Kleinbetrieb. 23 Hektar Wiesen und Acker besitzt er selbst, noch einmal so viel Fläche wird von Betrieben gepachtet, die ihre Landwirtschaft bereits aufgegeben haben. Zusätzliche Grünflächen sind dennoch schwer zu bekommen. Auch deshalb hat der Mirtlbauer die Aufzucht der Kälber an zwei Partnerbetriebe in Salzburg ausgelagert. „Die Tiere kommen mit fünf bis sechs Wochen auf die Höfe und dann als trächtige Kalbinnen wieder zu uns zurück“, erklärt Josef Stummvoll. „Die Tiere werden dort optimal versorgt. Sie erhalten das richtige Futter, sind im Sommer auf der Alm und daher den Umgang mit Menschen gewohnt.“ Gerade der letzte Punkt ist Josef Stummvoll wichtig, denn in der Milchviehhaltung will man Tiere haben, die den Menschen an sich heranlassen. Nicht nur zum täglichen Melken, sondern auch für die Tierarztuntersuchungen oder bei der Geburt der Kälber, wo es manchmal Hilfe braucht. „Durch ihre Sommerfrische auf der Alm sind es die Tiere gewohnt, wenn sie am Strick geführt oder im Anhänger transportiert werden. Damit sind sie auch bei uns im Stall umgänglicher und weniger schreckhaft“, erklärt der Landwirt.

Kinderstube für Kälber

Die Mutterkühe kommen kurz vor der Geburt in die Abkalbebox, um ungestört zu sein. Je nachdem, wie viele Geburten anstehen, bleiben beim Mirtlbauer die Tiere zwei bis drei Tage bei ihrer Mutter, wo sie die sogenannte Biestmilch direkt vom Euter trinken können. „Die ersten Tage sind entscheidend. Hier müssen wir genau beobachten, ob das Kalb genug trinkt, wie es sich entwickelt und ob es gesund ist“, so Stummvoll. „Wenn nicht, muss man schnell reagieren.“ Dass es den Kälbern gut geht, zeigt sich auch, als Tochter Anna mit einem Eimer voller Milch in den Stall kommt. Normalerweise erhalten die Tiere am Morgen und am Abend rund fünf Liter Vollmilch. Das ist optimal für das Wachstum. Die Aussicht auf einen Schluck Milch zwischendurch ist für die „Kinderschar“ eine willkommene Abwechslung. Sie strecken die Köpfe aus den Boxen und wedeln mit den Schwänzen – auch um willkommene Streicheleinheiten zu erhalten. Und die gibt es natürlich, denn beim Mirtlbauer sind die Kälber nicht einfach ein „Nebenprodukt“ der Milchgewinnung,

„Sie sind später unsere Milchkühe und damit unsere Zukunft.“

Dass die meisten männlichen Kälber verkauft werden müssen, lässt sich dabei kaum vermeiden. Es fehlt der Platz und es gibt Betriebe, die auf die Mast spezialisiert sind. Seit dem Vorjahr werden beim Mirtlbauer nun einige Tiere mit Milch wieder selbst gemästet. Verkauft werden sie an die Firma Ablinger in Oberndorf, die gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer und dem Land Salzburg ein Milchmastprojekt gestartet hat. „Arbeit und Risiko mit einkalkuliert, rechnet sich das für uns trotz Förderung gerade einmal so“, sagt der Bauer dazu. Dennoch unterstützt er das Projekt, denn natürlich ist es ihm nicht egal, was mit seinen Tieren passiert.

Kälberhaltung in Österreich

In Österreich ist die Anbindehaltung von Kälbern übrigens generell verboten. Ab der zweiten Lebenswoche muss den Tieren Raufutter (Heu) zur Verfügung stehen. Das Veröden der Hörner ist bei bis zu zwei Wochen alten Kälbern zulässig, wenn dieses mit einem speziellen Gerät fachgerecht durchgeführt wird. So können bei den Tieren gegenseitige Verletzungen vermieden werden. In Salzburg erfolgt die Enthornung meist nur nach Betäubung durch den Tierarzt. Bis acht Wochen alte Kälber darf man in Einzelbuchten halten. Diese müssen einen Sicht- und Berührungskontakt mit Artgenossen ermöglichen – außer in Krankheitsfällen, um Ansteckungen zu vermeiden. Bei Haltung im Freien muss die Bucht überdacht und auf drei Seiten geschlossen sein. Für alle Einzel- und auch Gruppenboxen ist eine Mindestfläche je nach Alter der Tiere vorgeschrieben.




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