Wo Moderne und Museum zu einem Gesamtkunstwerk wird

„Wir waren einer der ersten Bio-Bauern, seit 1992 leben wir in Verbundenheit mit der Natur und den Tieren. Wir sehen uns als ein Teil der Kreislaufwirtschaft!“ erzählt mir Christine Schattbacher, überzeugt von der Sinnhaftigkeit eines Biobetriebes. Sie ist die Landwirtin vom eindrucksvollen Walchengut, vom Quellenberuf eigentlich diplomierte Medizinisch-Technische Assistentin. „Wir verwenden keine geruchsintensive Silage, sondern nehmen ein „drei-sonniges“-Heu, wenn es das Wetter zulässt!“ setzt sie fort, während sie mir den großen, eindrucksvollen Hof zeigt. „Drei-Sonnig“ bedeutet, dass das Heu am Feld 3 Tage lang von der Sonne getrocknet wurde. Der 60 Hektar große landwirtschaftliche Betrieb in Maishofen umfasst Wiesen, Felder, einen Acker, einen Wald und eine eigene Alm. Eine Direktvermarktung der Hofprodukte gibt es noch nicht, aber sie ist bereits in Planung.

Das Motto von ihrem Mann, Hans-Georg Schattbacher, Land- und Forstwirtschaftsmeister, klingt wie eine Liebeserklärung: „Inmitten einer wunderschönen Landschaft mit der eigenen Familie nachhaltig arbeiten zu können und biologische Lebensmittel zu erzeugen, das ist “Meins”!“

 

Wo Gäste naturnahe urlauben, ist der „lebendige“ Arbeitsplatz der Familie Schattbacher

„Lebendig“ deswegen, da der Hof viel kreatives Potenzial hat, den die Familie Schattbacher auch ausgiebig nutzt. „Der Betrieb steht auf mehreren Beinen, zeitgemäß und innovativ, damit die Struktur nicht veraltet. Mein Mann und ich halten das so, wie Rainer Maria Rilke sagt: „Du musst dein Ändern leben.““ klärt mich die vitale Landwirtin auf. Pferde- und Viehzucht, Reitbetrieb am eigenen Reitplatz, Appartementvermietung und Gemüseanbau sind nur einige Beispiele. Das ist auch gut so, denn alle ihre sechs Kinder, wollen, wenn sie einmal die Möglichkeit haben, den Hof weiter bewirtschaften. Das Problem, dass es keine Hofübergabe geben wird, kennen die Schattbachers daher nicht. Ein Segen, denn das Gut stammt aus 1492, wird das erste Mal 1555 urkundlich erwähnt und sollte unbedingt weitergeführt werden.

Viele Stammgäste schätzen das natürliche Leben am Walchengut und können die Lebensmittel, die am Hof produziert werden, mit genießen. Zum Beispiel Eier von den Sulmtaler Hühnern, die überaus glücklich sind, weil sie den ganzen Tag frei in den Wiesen zwischen den Streuobstbäumen nach Futter picken können. Oder frische Milch aus der Bio-Milchwirtschaft, in der auch eigene Nachzucht betrieben wird. Das Gemüse wächst im Sommer vor der Haustür und die Äpfel fallen im Herbst knackig von den Bäumen. Kinder finden es paradiesisch, weil Baum- und Ranch-Haus zu erkunden sind, zahlreiche Kleintiere zu streicheln und auf einladenden Spielplätzen herum zu tollen. Auch ein Minischweinchen namens „Ringel“ oder „Wutzi“ und ein Pony namens „Leni“ haben es den Kindern angetan.

 

Wo das Museum bewohnbar ist

Wir gehen vom Neubau in das alte, große Walchengut, in dessen Kreuzgewölbegang das Familienwappen der Schattbachers hängt. Wunderschöne alte Bilder, Truhen, Kästen und Heiligenstatuen zieren Gänge und Stuben. Zwei Stuben sind noch original aus 1666 erhalten, samt Mobiliar. Während ich in der Mitte des ersten Zimmers stehe und es nicht glauben kann, dass so ein Museumsreifer Raum bewohnt wird, lacht Christine Schattbacher: „Ja, wir hätten das alles einem Museum geben können, oder ein Museum daraus machen, aber wir schätzen es sehr und legen Wert darauf, dass wir hier wohnen können, so wie wir wollen!“ Darum hängt auch neben einem 100 Jahre alten Hut eine Schirmkappe von heute und eine reflektierende Sicherheitsjacke auf einem exakt 352 Jahre alten Haken.

Ein weiterer Raum ist ebenfalls ein lebendiges Freilichtmuseum, das vom Landwirtschafts-Lehrling des Hofes bewohnt wird. Bunte Kinderzeichnungen bilden einen interessanten Blickfang neben Jahrhunderte alten Marienstatuen aus Holz. Frisch gepflückte Äpfel duften in einer Steingutschale mit der geschichtsträchtigen Täfelung um die Wette.

Dass der jüngste Sohn, Jonathan-Laurent, im entzückenden Nebengebäude geboren wurde, rundet das Bild, welches sich mir vom Walchengut einbrennt, ab: Ein authentischer Bio-Hof mit Tradition und gelebtem Wandel der Zeit. Ein wahres Kunstwerk!

PS: Das Kochrezept vom „Bachlkoch“ hat mir Christine Schattbacher aus dem Grund gegeben, weil: „Das Gericht Alle lieben und sich immer schon auf den 24.12. besonders freuen, an dem es das Bachlkoch traditionell zu Mittag gibt!“ Also dann, Mahlzeit!!!!

Bachlkoch

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Hans-Georg Schattbacher

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